Internetzugang dank Freifunk in Löbtau und Stetzsch

Dass Geflüchtete Kontakt in ihre Heimat halten und für sie der Umgang mit dem Internet genauso selbstverständlich und wichtig ist, wie für alle anderen BürgerInnen auch, ist mittlerweile sicher bekannt. Daher haben sich seit der Eröffnung des Übergangswohnheimes in der Tharandter Straße 8 Mitglieder unseres Netzwerks dafür stark gemacht, die Bewohner zumindest einigermaßen mit einem Internetzugang per WLAN zu versorgen. Dank Freifunk und engagierter NachbarInnen konnte dieses Vorhaben Anfang Mai 2015Logo Freifunk Dresden umgesetzt werden.

Diese Woche konnte nun mit Unterstützung des Netzwerks auch die Versorgung der Podemusstraße 9 in Stetzsch für z.Zt. 70 Bewohner mit Freifunk realisiert werden.

Hintergründe

Nachfolgend wollen wir ein paar Hintergründe erläutern und zeigen, wie einfach man selbst auch Teil der Freifunk-Bewegung werden kann.

Durch die rechtlichen Rahmenbedingungen und den Tatbestand der sogenannten Störerhaftung war es bislang nahezu unmöglich, seinen Internetzugang für Dritte zur Verfügung zu stellen, ohne dabei in eine rechtliche Grauzone zu rutschen: Surft jemand mit meiner IP und stellt illegale Dinge an (und sei es auch ungewollt durch einen Virus, Bot oder schadhaften Code auf einer Webseite), kann ich als Anschlussinhaber rechtlich belangt werden. Eine Ausnahme gilt hier für Diensteanbieter (d.h. beispielsweise für die Internetprovider selbst) sowie im Falle der Nutzung eines VPN-Tunnels in weniger restriktive Länder wie die Niederlande oder Finnland – ohne Störerhaftung.

Freifunk nutzt genau diese Möglichkeiten und bietet einen Zugang ins Internet über den Freifunk-Verein, welcher als Diensteanbieter zählt, sowie auch über privat finanzierte VPN-Server, die den Internetverkehr in Länder tunneln in denen es keine Störerhaftung gibt. In Dresden gibt es derzeit etwa 130 Freifunk-Router, welche über dieses Prinzip den Zugang ins Internet über solche Tunnel an (meist) privaten DSL-Anschlüssen bereitstellen. Dabei sollen beide Seiten geschützt werden: Die zur Verfügung stellende Privatperson durch Verhinderung von Abmahnungen sowie auch die nutzenden Personen durch Anonymisierung der anfallenden, unter Umständen personenbezogenen Daten.

Um selbst Teil der Freifunk-Bewegung zu werden, bedarf es lediglich eines geeigneten Routers sowie einer Anpassung der Firmware (quasi dem „Betriebssystems“ des Routers). Anleitungen dafür finden sich in Wikis der regionalen Freifunk-Initiativen. Viele Leute in ganz Deutschland beteiligen sich auf diese Weise – auch ganz unabhängig von der Versorgung Geflüchteter mit Internet, denn: der Zugang zum Internet ist mittlerweile Standard für alle Menschen geworden. Für viele sind die mobilen Datenpakete aber weder preiswert noch ausreichend, um einen gesamten Monat über die Runden zu kommen.

In Dresden engagiert sich übrigens die Initiative „Internet for Refugees“ für die Versorgung von Geflüchteten mit Internet.

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